7 verschiedene Fragetypen- Teil 1

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Fragen sind – nach ihrer Person – das wichtigste Arbeitsinstrument von Beratern und Coaches. Also sollten sie die verschiedenen Fragetypen kennen und gezielt einsetzen können. Aber Unternehmen fordern auch zunehmend von ihren Führungskräften,  ihre Mitarbeiter zu coachen.  Also sollten auch diese die relevanten Coachingtools kennen – zum Beispiel , um Mitarbeiter beim eigenständigen Finden von Problemlösungen zu unterstützen.
In meiner 3-teiligen Serie möchte ich Ihnen 7 äußerst effektive Fragetypen vorstellen.

Auch wenn Führungskräfte in einem anderen Kontext als externe Berater und Coaches agieren -denn sie sind disziplinarische Vorgesetzte- geraten sie immer häufiger in Situationen, in denen sie im Kontakt mit ihren Mitarbeitern ähnlich wie ein Coach agieren müssen. Denn je netzwerkartiger die Strukturen in den Unternehmen sind, umso häufiger müssen Mitarbeiter eigenständig und weitgehend eigenverantwortlich Probleme beziehungsweise komplexe Aufgaben lösen.

Somit sind die hier vorgestellten Fragetypen nicht nur für Trainer und Coaches sondern auch für Führungskräfte relevant.  Sie unterstützen beim Entwickeln erforderlicher beruflicher Kompetenzen  und helfen beim Anpacken scheinbar unüberwindbarer Hindernisse. Sie können zum Beispiel durch Fragen

  • neue Perspektiven auf das „Problem“ eröffnen und
  • sie auf einen gangbaren sowie für alle Beteiligten befriedigenden Lösungsweg führen.

Zum Erreichen dieses Ziels können mehrere Kategorien von Fragen nutzen:

  • problemorientierte,
  • ressourcenorientierte und
  • zielorientierte Fragen.

Ihren professionellen Einsatz sollten alle jene, die ähnlich einem Coach agieren, beherrschen, denn es macht einen qualitativen Unterschied, ob sie jemanden fragen:

  • „Wieso klappt das nicht?“ (problemorientiert) oder
  • „Wann hat die Sache schon einmal geklappt? Was war damals anders?“ (ressourcenorientiert) oder
  • „Was möchten Sie erreichen? Wie könnte eine Lösung aussehen?“ (zielorientiert)

 Problemorientierte Fragen
Diese Fragen-Kategorie können Sie nutzen, um die Ist-Situation genauer zu erkunden. Problemorientierte Fragen liefern oft nur dem Fragenden neue Einsichten. Denn der andere ist der eigentliche „Experte“  für sein Problem, und er kennt alle Details. Beispiele für problemorientiere Fragen sind:

  • „Seit wann besteht das Problem?“
  • „Wer ist am Problem und dessen Entstehung beteiligt?“
  • „Wie geht es Ihnen in der aktuellen Situation?“

Auch die Frage „Was haben Sie schon unternommen?“ zählt zu dieser Rubrik. Denn die Antwort auf diese Frage beinhaltet alle bereits gescheiterten Versuche. Wäre das Problem gelöst, säße Ihnen diese Person nicht gegenüber. Zusammengefasst beinhaltet diese Fragenkategorie alle Fragen rund um die Thematik des Problems. Problemorientierte Fragen sollten Sie sparsam einsetzen. Denn sie können zu einer Problem-Trance des Vis á Vis führen, aus der er sich nur schwer lösen kann. Denn Sie aktivieren hiermit beim Gesprächspartner vor allem Gedanken und (Hilflosigkeits-)Gefühle rund um die negativ erlebte Situation. Das erschwert das Finden neuer Lösungsansätze. Denn wer ein Problem lösen möchte, muss einen anderen geistigen Raum betreten.

Ressourcenorientierte Fragen
Diese Kategorie Fragen lenkt den Blick auf die Stärken von Menschen und die Dinge, die beim Bewältigen der Herausforderung hilfreich sein könnten. Beispiele für ressourcenorientierte Fragen sind

  • „Was oder wer könnte Ihnen in dieser Angelegenheit behilflich sein?“,
  • „Was könnten Sie tun, damit das Problem besser wird?“

Auch Fragen nach Ausnahmen zählen zu dieser Rubrik, etwa: „Beschreiben Sie eine Situation, in der das Problem nicht auftrat und was in ihr anders war?“ Oder: „…was Sie in ihr anders gemacht haben?“ Hilfreich beim Suchen von Ressourcen für eine Lösung können auch Fragen sein wie: „Was unternahmen Sie bisher, damit das Problem nicht größer wurde?“ Ressourcenorientierte Fragen sollten Sie insbesondere dann nutzen, wenn sie die Kompetenz von Anderen, „Probleme“ eigenständig zu analysieren und Problemlösungen für sie zu entwerfen, fördern möchten. Dann können sie ihre Gesprächspartner mit diesem Fragentyp dazu stimulieren, zunächst selbst intensiv und aktiv nach einer möglichen Lösung des Problems zu suchen – bevor Sie eventuell ihre eigenen Lösungsideen in das Gespräch einfließen lassen.

Zielorientierte Fragen
Diese Fragenkategorie lenkt die Aufmerksamkeit auf die gewünschte Zukunft. Hierzu zählen die klassischen Zielfragen wie:

  • „Was genau wollen Sie erreichen?“,
  • „Wie sollte eine Lösung aussehen?“ oder
  • „Bis wann wollen Sie Ihr Ziel erreichen?“

Coaches nutzen bei ihrer Arbeit auch häufig folgende Fragen:

  • „Woran erkennen Sie, dass Sie das Ziel erreicht haben?“,
  •  „Was wird sich durch das Erreichen des Ziels verändern?“ (zum Beispiel in dem Projekt? Oder bei unserem Umgang mit Kunden?)

Solche Fragen bewirken, dass der Andere vor seinem inneren Auge sieht, wie die Zukunft aussehen könnte. Er kann die Erfolgssituation erfühlen. Damit erkennt er auch die Perspektiven, die sich ihm beziehungsweise dem Unternehmen hierdurch eröffnen. Zugleich werden vorhandene Ressourcen und mögliche Hindernisse erkannt.

Auch das Wort „stattdessen“ bewirkt häufig einen Wechsel der Denkrichtung – vom Problem zum Ziel. Viele Menschen wissen oft genau, was nicht geht. Aber was sie „stattdessen“ tun könnten, ist ihnen unklar. Die Frage „Was könnten Sie stattdessen tun?“ oder „Wie könnten Sie das Ziel stattdessen erreichen?“ löst oft einen schwierigen Denk- und Entscheidungsprozess, der zu neuen, alternativen Lösungswegen führt.

Neben den bisher beschriebenen Fragenkategorien gibt es mehrere Fragetypen, die es wert sind, sie zu kennen. Erfahren Sie mehr darüber in meinem Teil 2.

 

Die Autorin: Sabine Prohaska
Sabine Prohaska ist Inhaberin des Trainings- und Beratungsunternehmen seminar consult prohaska in Wien und Autorin der Bücher „Coaching in der Praxis“ & „Erfolgreich im Training – Praxishandbuch“.

 

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