Die neue Generation Frau – Weltfrauentag

WeltfrauentagWeltfrauentag 2018: Kompetente und zugleich ökonomisch erfolgreiche Frauen – wie die IWF-Chefin Christine Lagarde – gibt es wenige. Liegt es nur an den Männern und an Jahrhunderte alte Vorurteile? Zu einem Teil gewiss. Für neue Wege bedarf es aber eines neuen weiblichen Selbstbewusstseins.

Christine Lagarde steht, mit über 50 Jahren, an der Spitze des Internationalen Währungsfonds in Washington. Sie war die erste französische Wirtschafts- und Finanzministerin und wurde 2009 von der Financial Times zum besten Finanzminister der Eurozone gewählt. Zudem war sie die erste Frau an der Spitze von Baker & McKenzie, einer der größten Anwaltskanzleien in den USA.

„Für eine Frau ist sie ganz schön weit gekommen.“  Das denkt gewiss auch manche Frau beim Betrachten dieses Lebenslaufs. Und genau das ist der Haken. Eine Top-Berufsbiografie erwarten sogar Frauen primär von Männern. Oder anders formuliert: Frauen trauen sich oft selbst wenig zu und blockieren sich so. Und dies, obwohl Frauen wie Christine Lagarde, aber auch die Infineon-Technik-Chefin Sabine Herlitschka beweisen: Frauen können dasselbe wie Männer erreichen – sofern sie gewisse Grundüberzeugungen verinnerlicht haben und diese auch vertreten.

Frauen sind kompetent

Hierzu zählt das Vertrauen in die eigene Kompetenz. Bei der schulischen Bildung haben Frauen die Männer bereits eingeholt – zum Teil sogar überholt. Zumindest in diesem Bereich ist inzwischen Common Sens: Mädchen sind mindestens ebenso fit wie Jungs. Im Arbeitsbereich hat sich dieser Gedanke noch nicht durchgesetzt. Das zeigt sich im Berufsalltag immer wieder. Hierfür ein Beispiel: Eine Trainerin hält ein mehrtägiges Verhandlungsseminar für Betriebsräte eines großen Unternehmens. Alle Teilnehmer sind Männer. Das Seminar läuft spitze, alle sind interessiert und arbeiten hochkonzentriert. Dann folgt die abschließende Feedbackrunde, in der ein Mann zur Trainerin sagt: „Die Tatsache, dass Sie eine Frau sind, hat eigentlich gar nicht gestört!“ So ein Statement mag als Kompliment gemeint sein. Es zeigt aber, welches Bild von Frauen viele Männer – auch Gewerkschaftler – noch in ihren Köpfen haben.

Starten Sie heute- am Weltfrauentag- und entwickeln Sie als Frau dasselbe Vertrauen in Ihre Kompetenz wie es ein Mann tun würde. Denn wenn Sie selbst an ihr  zweifeln, strahlen Sie dies auch aus.

Frauen sind Respektspersonen

Oft wird Frauen selbst in Führungspositionen auch nicht mit dem gebührenden Respekt begegnet. Erneut ein Beispiel aus dem Trainingsbereich:
Bei mehrtägigen Seminaren, die in einem Seminarhotel stattfinden, ist es üblich, dass die TeilnehmerInnen und die Seminarleitung gemeinsam Abend essen. Danach  bleibt die Runde oft noch zusammen, um sich zum Beispiel an der hotelinternen Bar zu unterhalten. In solchen Situationen ist es leicht möglich, dass die Leiterin (eines Seminars) plötzlich Sätze hört wie: „Na, schöne Frau, jetzt darf ich Sie aber zu einem Getränk einladen!“. Auch auf weniger förmliche Ankündigungen muss sie gefasst sein: „Schatzi, ich setze mich jetzt einmal zu dir!“
Solch ein Verhalten ist keine Seltenheit. Es zeugt davon, dass es für Männer keineswegs selbstverständlich ist, zu einer Frau in leitender Position einen gebührlichen Abstand zu wahren. Hier empfiehlt sich meist höfliche Neutralität. Lehnen Sie als Frau derartige Angebote höflich aber entschieden ab. Zum Beispiel mit einer Ansage wie: „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich Ihnen mit dem ‚Du‘ die Erlaubnis gegeben hätte, mir Kosenamen wie Schatzi zu geben. Ich bevorzuge meinen Namen.“ Dieses Statement, mit fester Stimme und Blickkontakt vorgebracht, reicht meist aus, um wieder eine respektvolle berufliche Distanz aufzubauen.

Frauen müssen sich trauen, klare und angemessene Grenzen zu setzen, damit sie fair behandelt werden. Die Kunst besteht darin, selbstsicher zu handeln, ohne aggressiv zu sein.

Fordern statt bescheiden sein

Viele Frauen neigen zu Bescheidenheit. Diese ist zwar eine Tugend, doch im beruflichen Kontext kommt man mit zu viel Bescheidenheit nicht weit. In Bewerbungs- und Verkaufsgesprächen, aber auch vielen (Projekt-)Meetings kommt es darauf an, sich gut zu präsentieren und selbstbewusst zu argumentieren. Zeigen Frauen in solchen Situation zu viel Bescheidenheit, verkaufen sie sich und ihre Leistung schnell unter Wert. Lesen Sie mehr dazu im Blog meines Kollegen Roman Kmenta.

Erneut ein Beispiel. Personalleiter stellen, wenn sie mehrere Trainer oder Coaches für ein Projekt suchen, immer wieder fest, dass Frauen in der Regel ein 30 Prozent niedrigeres Honorar fordern als ihre gleich gut qualifizierten männlichen Berufskollegen. Also zahlen sie ihnen auch weniger. Würden die weiblichen Trainerinnen und Coaches ein höheres Honorar fordern, würden sie dieses auch bekommen – wie ihre männlichen Kollegen. Doch freiwillig zahlt niemand mehr.

Das zeigt: Frauen müssen ein stärkeres „Selbst-wert“-Gefühl entwickeln und mehr Eigen-PR betreiben. Also zum Beispiel, wenn der Chef ein Lob ausspricht, nicht fast automatisch erwidern: „Das war doch nicht so schwer.“ Denn wer tiefstapelt, positioniert sich beruflich meist selbst in der zweiten Reihe. Frauen müssen lernen, an ihrer eigenen Marke zu arbeiten. Selbst-PR gehört dazu. Der Weltfrauentag kann uns dabei unterstützen.

Nicht nur in Lohn- und Gehaltsfragen müssen Frauen lernen sich zu behaupten, sondern auch in ihrer Position – zum Beispiel als Führungskraft. Denn noch immer gilt: Wenn eine männliche und eine weibliche Führungskraft derselben Führungsebene gemeinsam einen Kunden besuchen, wird in der Regel der Mann als der Vorgesetzte und die Frau als die Untergebene eingestuft. Woran merkt Frau dies? Der Kunde blickt, wenn es um Entscheidungen geht, primär den Mann an. Und wenn es um die Umsetzung, das „operative doing“ geht? Dann blickt er zur Frau.

Nicht „vermännlichen“

Bei allen genannten Punkten geht es darum, dass Frau ein paar Verhaltensweisen ein bisschen  ‚männlicher‘ gestaltet. Das bedeutet nicht, sich komplett wie ein Mann zu benehmen oder gar zu kleiden. Sich selbst treu bleiben und Frau-bleiben ist wichtig.

Ab in den Mittelpunkt

Anlässlich des Weltfrauentages 2018 möchte ich betonen: Frauen müssen ihren eigenen Weg finden. Zu versuchen, der bessere Mann zu sein, ist der falsche Weg. Besser ist es, auf die eigenen Stärken zu setzen. Den hierfür erforderlichen Mut und die nötige Durch- und Umsetzungskraft–zu entwickeln, ist die größte Herausforderung, vor der Frauen, die beruflich erfolgreich sein möchten, stehen. Legen Sie als Frau diese Scheu, im Mittelpunkt zu stehen, ab. Dann sind Sie auf dem besten Wege zum Erfolg.