Gesprächsführung Teil 3: "Müssen" und andere Worte

smiliesWorte spiegeln unser Denken wider; zugleich beeinflussen sie unser Denken. Deshalb sollten wir unsere Worte gezielt wählen.

 

Dass die sprachliche Verpackung bedeutsam für die Wirkung von Aussagen ist, beweisen sogar medizinische Studien. Sie belegen: Wie wirksam beispielweise ein im Rahmen einer Schmerztherapie genutztes Medikament ist, hängt stark davon ab, mit welchen Worten der Arzt es dem Patienten verabreicht. Sagt er „Versuchen wir halt mal dieses Medikament – vielleicht hilft es ja“, dann ist Wirkung niedrig. Sagt er hingegen „ Mit diesem Medikament haben schon viele Patienten positive Erfahrungen gemacht. Das verschafft ihnen sicher Linderung“, dann betonen viele Patienten: Es wirkt!


„Noch…“ – schafft Energie

Oft treffen wir im Alltag absolute Aussagen. Wir sagen zum Beispiel: „Ich kann das nicht.“ Oder: „Ich weiß nicht, wie das geht.“ Fügen Sie in diese Sätze doch einfach mal das Wort „noch“ ein. Die zwei Sätze „Ich kann das noch nicht“ oder „Ich weiß das noch nicht“ klingen und wirken viel positiver. Das Wort „noch“ impliziert, dass Sie etwas können oder wissen werden. Es braucht nur noch etwas Zeit oder zusätzliches Know-how. Es ist immer wieder verblüffend, wie anders ein Satz wirkt, wenn man in ihn das Wort „noch“ integriert. Dann steigt automatisch die Zuversicht und Motivation, etwas zu tun oder auszuprobieren.

„Müssen…“ – macht uns klein

„Ich muss heute pünktlich von der Arbeit weg, weil ich noch die Kinder zur Oma bringen muss. Danach muss ich mein Kleid aus der Reinigung holen, weil ich am Abend…“. Das Wort „müssen“ ist ein ganz heimtückischer Vertreter der Gattung demotivierende Worte. Denn permanent etwas zu müssen, erzeugt Druck. Zudem ruft das Wort „müssen“ oft eine Trotzreaktion hervor: „Ich muss gar nichts, außer sterben.“

Sagen Sie stattdessen ab jetzt „Ich will…“ oder „Ich möchte…“ oder „Ich werde…“. Sie werden sofort merken, dass Sie sich weniger fremdbestimmt fühlen. Dasselbe gilt, wenn Sie Menschen anleiten – zum Beispiel als Führungskraft oder Trainer. Es macht einen kleinen, aber feinen Unterschied, ob Sie beispielsweise zu Ihrem Team sagen „Wir müssen mit den neuen Rahmenbedingungen leben“ oder „Wir machen aus den neuen Rahmenbedingungen das Beste“. Bei der ersten Aussage ist das Team ein fremdbestimmtes Objekt, bei der zweiten ein handelndes Subjekt – deshalb geht es auch selbstbewusster und motivierter ans Werk.

Die Autorin: Sabine Prohaska
Sabine Prohaska ist Inhaberin des Trainings- und Beratungsunternehmen seminar consult prohaska in Wien und Autorin der Bücher „Coaching in der Praxis“ & „Erfolgreich im Training – Praxishandbuch“.

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