Kraftquelle „Positive Emotionen“ – Teil 2

Positive PsychologiePositive Emotionen sind der Motor für unsere persönliche Entwicklung – beruflich und privat. Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich über Forschungsergebnisse aus der Positive Psychologie dazu geschrieben. Lesen Sie im Folgenden was Sie in Ihrem  (Arbeits-) Alltag für Ihr eigenes Aufblühen tun können.

Als Person aufblühen

Es macht einen Unterschied, ob wir mit einer Situation „zurechtkommen“ oder in ihr „aufblühen“.  Martin Seligmann (Mitbegründer Positive Psychologie) hat den Begriff flourishing (aufblühen)  in die Forschung eingeführt. Manche Blumen vegetieren vor sich hin, während andere prachtvoll blühen. Es nutzt jedoch wenig einer darbenden Blume zu sagen: „Wachse endlich!“. Zielführender ist es, sich zu überlegen: Was bringt die Blume zum Wachsen? Alles, was ihr Wohlbefinden erhöht. Zum Beispiel: Licht, Wärme, Wasser und ein nährstoffreicher Boden. Und was beschleunigt ihr Wachstum? Dünger.

Generell unterscheidet man zwischen einem hedonistischen und einem eudämonischen Wohlbefinden. Ein hedonistisches Wohlbefinden stellt sich bei uns ein, wenn wir zum Beispiel ein vorzügliches Essen oder Glas Wein genießen. Ein eudämonisches Wohlbefinden empfinden wir hingegen unter anderem, wenn

  • wir anderen etwas Gutes tun,
  • unsere Potenziale, also Fähigkeiten und Talente, nutzen oder
  • uns für etwas einsetzen, das uns am Herzen liegt.

Die Positive Psychologie hat herausgefunden: Ein eudämonisches Wohlbefinden hat einen stärkeren positiven Einfluss auf unsere Gesundheit – ohne das hedonistische Wohlbefinden gering zu schätzen. Und seine Wirkung ist nachhaltiger, denn es vermittelt uns zugleich das Gefühl von Sinn – also zum Beispiel das Bewusstsein

  • Ich gehöre zu einer Gemeinschaft (lebe in Beziehung),
  • ich trage etwas zur Gemeinschaft bei und
  • ich nutze meine Talente/Fähigkeiten.

Der Dünger für unser persönliches Wachstum sind deshalb die Mikro-Momente in unserem Leben, in denen wir ein eudämonisches Wohlbefinden empfinden. Damit sich dieses Gefühl häufig einstellt und wir es bewusst erleben, ist eine entsprechende Lebenseinstellung, -haltung und -führung nötig. Einige Aspekte, die unser eudämonisches Wohlbefinden fördern, seien hier genannt.

Den Moment genießen: Die Aufmerksamkeit auf die drei Zeitkomponenten der meisten positiven Ereignisse lenken – vorher: Vorfreude; währenddessen: bewusstes Erleben; danach: Reflexion (das Gedächtnis nutzen, um das Gefühl wieder aufzurufen).

Verbunden sein: Die Nähe und Verbundenheit mit anderen Menschen spüren. Fragen Sie sich zum Beispiel täglich am Abend: An welche positiven Begegnungen, Gespräche erinnere ich mich beruflich und privat und mit wem fühlte ich mich wie verbunden?

Erfolge feiern: Fragen Sie sich zudem abends: Was habe ich heute so richtig gut gemacht? Bei der Arbeit? Zuhause? Im Umgang mit Kunden und Kollegen? Freunden und Bekannten? Worauf kann ich stolz sein?

Dankbar sein: Fragen Sie auch, was ihnen durch andere Menschen, mit denen Sie beruflich und privat in Beziehung stehen, Gutes widerfuhr? Wofür sollten Sie ihnen dankbar sein?

Mitgefühl praktizieren: Machen Sie sich bewusst, mit welchen Problemen, Herausforderungen andere Menschen konfrontiert sind? Zum Beispiel Ihr Chef? Oder Ihr Kollege im Vertrieb? Oder die Kassiererin im Supermarkt. Fragen Sie sich: Was kann ich tun, um „ihr Leid“ zu reduzieren? Zum Beispiel Interesse zeigen? Verständnisvoll und geduldig sein? Unterstützung anbieten?

Neugierig und offen sein: Machen Sie sich immer wieder bewusst, dass das Leben bunt und vielfältig ist. Es gibt noch so vieles zu sehen, zu lernen und zu erleben. Dann gehen Sie auch Herausforderungen beschwingter an und entdecken dabei viel Positives.

Freundlich und zugewandt sein: Nehmen Sie Ihre Mitmenschen – Ihre Kollegen, die Verkäuferin an der Wursttheke, Ihren Lebenspartner – bewusst wahr. Schauen Sie Ihnen in die Augen. Schenken Sie Ihnen ein Lächeln. Sagen Sie danke auch für scheinbar selbstverständliche Kleinigkeiten.

Wertschätzend sein: Machen Sie sich bewusst, was Sie an Ihren Mitmenschen schätzen. Welche Stärken haben sie? Warum freuen Sie sich auf Begegnungen, Gespräche mit ihnen? Sagen Sie dies Ihren Mitmenschen auch. Und schenken Sie ihnen häufiger ein anerkennendes Wort.

Echt und ehrlich sein: Zeigen Sie den Menschen (die Ihnen wichtig sind) Ihre Gefühle. Stehen Sie auch zu Ihren Ecken und Kanten – soweit möglich. Denn nur dann werden Sie für die anderen als Mensch erfahrbar und es entsteht Verbundenheit. Das gilt nicht nur für unsere privaten Beziehungen, sondern auch für unsere Beziehungen am Arbeitsplatz.

Vielleicht denke Sie jetzt, das ist doch alles nichts Neues. Ja, aber spannend ist doch die Tatsache, dass die Positive Psychologie mit ihrer Forschung diese Dinge auf einen wissenschaftlichen Prüfstand gestellt hat. Und damit auch zeigen konnte, das die Auswirkungen dieser „Kleinigkeiten“ immens sind, nämlich Einfluss auf das menschliche Genom nehmen!

Über die Autorin: Mag. Sabine Prohaska hat über 20 Jahre Erfahrung als Wirtschaftspsychologin und nutzt in ihren Seminaren und Coachings Erkenntnisse aus der Positiven Psychologie. Sie ist Mitglied im Dachverband der Positiven Psychologie .