Preisgestaltung beim Online-Trainieren

berechnung

Durch die Covid-19-Pandemie hat das computer- und netzgestützte Lernen einen enormen Pusch erfahren. Personalabteilungen von Unternehmen, die bisher im Bereich Online-Lehren und -Lernen eher zögerlich oder gar abstinent waren, forcieren nun das sogenannte E-Learning, und Trainer, die bisher ausschließlich Präsenz-Veranstaltungen durchführten, bieten nun auch Online-Seminare an.

Das heißt sowohl viele Anbieter, als auch Nachfrager im Personalentwicklungsbereich agieren aktuell in einem für sie noch relativen Neuland. Entsprechend groß ist ihre Unsicherheit oft nicht nur in methodisch-didaktischer Hinsicht (weshalb wir u.a. unsere E-Learning-Akademie gründeten), sondern auch bezüglich der Preisgestaltung beim Online-Lehren und -Lernen sowie Online-Trainieren.

Klassische Honorar- bzw. Preisgestaltung bei Präsenz-Training

Bei den klassischen und gewohnten Präsenzseminaren und -trainings war diese aus Sicht aller Beteiligten recht einfach, weil seit Jahrzehnten gewohnt: Verrechnet wurden in der Regel die Tage, die der Trainer bzw. die Trainerin real mit den Teilnehmenden im Seminarraum verbrachte – gemäß einem vorab vereinbarten Tagessatz. Zudem wurde bei speziell für den Auftraggeber maßgeschneiderten Seminaren nicht selten eine Pauschale für die Vor- bzw. Nachbereitung im Vorfeld vereinbart oder ein halber oder ganzer Tagessatz „Konzeption“ zusätzlich vergütet. Doch wie sieht es bei einem Online-Seminar aus?

E-Learning erfordert neue Modelle der Preisgestaltung

Auf die neuen digitalen Lernformate passen solche Preisgestaltungsmodelle oft nicht, denn für deren Anbieter, also die Trainerinnen und Trainer, stellen sich Fragen wie:

  • Wie kalkuliere ich ein 90-minütiges Online-Seminar?
  • Wieviel ist ein Lernvideo wert?
  • Mit welchem Betrag kann ich meine Online-Begleitung in den Foren ansetzen?
  • Soll ich bei Webinaren eine teilnehmerzahl-abhängige Preisstaffelung anwenden, weil ich so 50, 100 oder gar mehr Zuhörer haben kann?
  • Lasse ich eine Aufnahme und Weiternutzung meines Webinars zu und wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Auch Personalentwickler wünschen sich eine Orientierung

Schon vor dem Ausbrechen der Covid-19- Pandemie habe ich mich unter anderem als Trainerausbilderin immer wieder mit dem Thema Preisgestaltung beim E-Learning befasst und stellte fest: Es besteht eine große Unsicherheit beim Beantworten der vorgenannten Fragen im Markt – und zwar nicht nur bei den Anbietern, also den Trainern, sondern auch bei den Einkäufern ihrer Leistung, also unter anderem den firmeninternen Personalentwicklern.

Das Statement einer Personalentwicklerin hierzu: „Die Honorarforderungen von Trainern für ein Online-Seminar zum selben Thema klaffen extrem weit auseinander. Auch ihre Verrechnungsmodelle divergieren. Wir können zurzeit schwer beurteilen, was noch seriös ist, und würden uns diesbezüglich eine Orientierung wünschen.

Richtlinie zur Preisgestaltung des VBT und des BDVT

Deshalb habe ich als Vorstandsmitglied der Vereinigung der Businesstrainer Österreichs(VBT) mit meinen Kollegen im deutschen Berufsverband für Training, Beratung und Coaching (BDVT) eine Honorarrichtlinie erarbeitet. In ihr unterscheiden wir bei der Preisgestaltung zwischen

  • (Live-)Online-Trainings,
  • Webtalks (Anmerkung: Den Begriff Webinar verwenden wir aufgrund der aktuell rechtlich ungeklärten Situation, inwieweit dieser Begriff urheberrechtlich geschützt ist, nicht) und
  • E-Learnings

Zum Thema „Begrifflichkeiten“ habe ich einen eigenen Blog-Artikel verfasst.

(Live-)Online-Training

Bei dieser Seminar-Form ist die Teilnehmerzahl auf etwa 10 Personen begrenzt, damit interaktive und kreative Lehr- und Lernmethoden genutzt werden können. Die Dauer variiert von 90 Minuten bis zu 4 Stunden.

Bei diesem Format empfehlen der VBT und BDVT ein Drittel des klassischen bzw. gewohnten Präsenzseminar-Tagessatzes für eine 90-Minuten-Session zu berechnen. Vorbereitungsarbeiten wie das Sich-vertraut-machen mit den firmeninternen technischen Systemen zur Durchführung des Online-Seminars bzw. -Trainings werden zusätzlich verrechnet, ebenso eventuelle Co-Trainer (z.B. zur Unterstützung bei der technischen Durchführung).

Webtalk

Dieses Format erinnert häufig an einen klassischen Vortrag, an dessen Ende noch eine Frage-Antwort-Session bzw. -Runde steht. Charakteristisch für einen Webtalk ist, dass hieran eine unbegrenzte Zahl von Personen teilnehmen kann. Die Dauer beträgt meist 30 bis 90 Minuten.

Hier lautet die Empfehlung des BDVT und VBT, einen von der Teilnehmerzahl abhängigen gestaffelten Preis pro ca. 90-minütiger Einheit (z.B. 1 Stunde Vortrag plus 0,5 Stunde Fragen beantworten) zu verrechnen, und zwar

  • bis 20 Teilnehmer mindestens 800 Euro und
  • ab 21 Teilnehmer (mit einem Moderator für den Chat): mindestens 1740 Euro.

Gerade dieses Format wird von Auftraggebern oft aufgezeichnet und zur Wieder- bzw. Weiterverwendung auf die Lernplattform oder in die „E-Learning-Bibliothek“ des Unternehmens gestellt. Deshalb empfehlen wir, die AGBs und die Angebote zum Beispiel mit folgendem Hinweis zu versehen. „Audio- und Video-Mitschnitte sind nur mit schriftlicher Erlaubnis des Anbieters gestattet. Gerne erteilen wir auf Anfrage eine entsprechende Freigabe.“

Wenn Trainer und Trainerinnen eine Erlaubnis zur Aufnahme erteilen, empfehlen der BDVT und VBT eine Multiplikation der oben genannten Honorare mit dem Faktor 10, denn: Wenn der Kunde über eine Aufnahme des Webtalks verfügt, kann er das Video all seinen Mitarbeitenden – im Extremfall konzern- und weltweit – auf der Lernplattform zeitlich unbegrenzt zur Verfügung stellen. Das heißt für Sie als Trainer: Einen entsprechenden Folgeauftrag werden Sie zumindest von diesem Kunden nicht mehr erhalten. Zudem besteht die Gefahr, dass der Mitschnitt „weiter-wandert“.

E-Learnings

WBTs oder Lernvideos werden üblicherweise pro Minute abgerechnet. Hier variieren die Preise nach

  • Art des Videos (z.B. animiert oder nicht),
  • Qualität des Videos (Studio versus Smartphone),
  • Postproduktion (Sprecher, Schnitt, Musik, etc.) und

Für 20-minütige E-Learnings empfehlen wir zwischen 15.000 und 25.000 Euro zu verrechnen. Diesem Betrag liegt ein Richtwert von circa 1.000 Euro/Minute zugrunde.

Dieser Wert gilt selbstverständlich nicht für Videos, die ein Trainer „en passant“ mit dem Smartphone am Schreibtisch seines Büros erstellte, sondern für Videos und E-Learnings, die unter methodisch-didaktischen Gesichtspunkten gezielt aufgebaut und gestaltet sind sowie die professionell bearbeitet wurden; für Videos also, deren Erstellung eine entsprechende Investition an Zeit und/oder Geld erforderten.

Auch die Honorare beim Online-Training werden divergieren

Die oben genannten Preise in ihrer Richtlinie verstehen der BDVT und der VBT nur als Empfehlung, die der Orientierung sowohl der An-, als auch Nachfrager im Weiterbildungsmarkt dienen soll.

In der Praxis wird es, ähnlich wie bei den klassischen Präsenztrainings,  unterschiedliche Preisniveaus geben, die abhängig vom Thema, Klientensystem (z.B. Profit- oder Non-Profit-Organisation), der Vorerfahrung des (Online-)Trainers und seiner Etablierung im Markt divergieren.

Honorarrichtlinie der Trainerverbände

WEBINAR ein geschützter Begriff- droht Abmahnung bei Verwendung?

Webinar geschützter BegriffIn den letzten Tagen erhielt ich von einigen Kollegen aus der Trainingsbranche Anfragen bezüglich der Verwendung des Begriffs „Webinar“. Der Hintergrund: Seit einigen Wochen geistert durch das Internet die Nachricht, der Begriff „Webinar“ sei eine eingetragene Marke und seine Verwendung könne zu teuren Abmahnungen führen.

Nachricht: Begriff „Webinar“ ist geschützt

Der Begriff „Webinar“ ist tatsächlich seit 2003 geschützt und beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen und der Schutz wurde bis 2023 verlängert. Die Rechte wurden bereits mehrfach verkauft und gehören aktuell einem Herrn in Kuala Lumpur.

Um dem noch genauer auf den Grund zu gehen und den Umgang mit dem Wort „Webinar“ abzuklären, habe ich eine Juristin im Patentamt Wien kontaktiert und sie um ihre Rechtsmeinung dazu gefragt.

 Rechtsmeinung zum Thema „Webinar“

Juristische Auskunft: „Die Marke wurde 2003 angemeldet und eingetragen. Zu dieser Zeit war der Begriff Webinar noch nicht so gebräuchlich und im Sprachgebrauch noch nicht so stark verankert wie heute. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass WEBINAR heutzutage in Österreich oder Deutschland nochmal als Marke registriert werden würde. Es sind beispielsweise auch die Wörter KORNSPITZ oder WALKMAN ursprünglich als Marke registriert worden und dann später wieder gelöscht worden. So könnte es im Fall von WEBINAR auch sein. Tatsache ist aber, derzeit ist die Marke WEBINAR in Deutschland noch registriert. Der Inhaber der Marke kann derzeit noch anderen die Nutzung des Wortes WEBINAR als Marke verbieten.“

Ähnlich sehen dies auch andere Rechtsexperten, wie unter anderem ein Beitrag des Fachanwalts für IT-Recht sowie Urheber- und Medienrecht Dr. Maximilian Greger im Law-Blog zeigt. Genaue Begründung – siehe Beitrag im Law-Blog.

Den Begriff „Webinar“ verwenden oder nicht?

Laut den Rechtsexperten dürfte die  Wahrscheinlichkeit „äußerst gering sein, dass der Markeninhaber seine Rechte tatsächlich durchsetzt“ – u.a. weil dem Inhaber im Falle eines Rechtsstreits eine Löschung der Marke „wegen Verfalls“ drohe. In den meisten Fällen werden üblicherweise vorab Abmahnungsschreiben von Rechtsanwälten verschickt. Im Falle eines Abmahnungsschreibens besteht die Möglichkeit einen Antrag auf Löschung der Marke WEBINAR zu stellen, da der Begriff mittlerweile im allgemeinen Sprachgebrauch verankert ist und nicht mehr als unterscheidungskräftig angesehen werden kann.

Fazit: Wir sollten uns als Trainer, Coaches, Berater oder L & D Verantwortlicher nicht allzu verrückt machen lassen und das Wort Webinar auch weiterhin im allgemeinen Sprachgebrauch verwenden. Wem das doch zu heiß ist, der kann alternative Begrifflichkeiten wie „Online-Seminar“, „Online-Kurs“, „Webcast“ und ähnliche  verwenden.

Der Seminarraum ist passé

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Die betriebliche Weiterbildung wird zum Großteil nicht mehr in den Seminarraum zurückkehren!

Der digitale Trend ist schon lange erkennbar. In meinem Artikel „Zug fährt ab! – Digitalisierung in Österreichs Unternehmen“ habe ich mich diesem Thema ebenso gewidmet, wie in meinem Blog Artikel „Lernen am Arbeitsplatz der Zukunft“. Weiterlesen

Über E-Learning & die Zukunft der Bildung

E-learning

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Jörg Eugster, Keynotespeaker zum Thema Digitalisierung, hat mit mir ein Fachgespräch zum Thema E-Learning und die Digitalisierung der Bildung geführt.

 

 

 

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Webinar, live Online-Seminar – gibt es einen Unterschied?

Webinar oder live Online-Seminar

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Zur Zeit herrscht in der Trainingsbranche hektisches Treiben. Viele Angebote werden online umgestellt. Webinar oder Online-Seminar? Welches Format ist für das jeweilige Angebot das passendste?

Bei dieser Frage stoßen wir auf Unschärfen bei der Definition der Formate. Weiterlesen

Digitale Zukunft des Sprachenlernens – Interview mit Jörg Eugster

Digitalisierung Sprachlernen

Digitalisierung Sprachlernen

Letzte Woche hatte ich ein überaus interessantes Interview mit Jörg Eugster aus der Schweiz. Er ist Internet Pionier und Keynote Speaker zum Thema Digitalisierung.

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Das Interview ist  25 Minuten lang und gibt einen Ausblick auf die digitale Zukunft internationaler Kommunikation. Weiterlesen

E-Learning – Neue Kompetenzen für Trainer

E-Learning und Blended Learning

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Blended Learning Trainerausbildung boomt

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LerLernen in der Zukunftnen wird individueller, selbst organisierter und zeitgerechter

Berufliches Lernen wird oft als Schulung, E-Learning oder Blended Learning-Veranstaltung verstanden. Wir müssen den Prozess aber viel weiter denken. Denn es gibt inzwischen viele Wege, wie wir innerhalb und außerhalb der Organisation lernen- zB: durch das Ansehen von Videos oder den Austausch in Online-Netzwerken und Communities. Modernes Lernen ist mehr als ein klassisches Präsenzseminar oder E-Learning! Weiterlesen